Stehst du morgens gerne auf?

Für mich ist es zur Zeit eine wahre Wonne morgens aufzustehen. Warum? Unsere kleine Tochter macht ihre Augen auf und begrüßt jeden neuen Tag mit einem Strahlen im Gesicht. Das ist wunderschön anzusehen und ich hoffe, dass sie das für ihr ganzes Leben beibehalten wird. <3

Dieser Gedanke gab für mich den Ausschlag, darüber nachzudenken, weshalb es wohl bei den meisten Menschen eben gerade nicht so ist. Und ich habe mich an etwas erinnert, das mir ganz besonders während meiner Ausbildung zur Yogalehrerin aufgefallen ist: die meisten Menschen machen kein glückliches Gesicht. Früher war ich selbst meist gestresst und habe wenig auf meine Mitmenschen geachtet. Wenn ich beispielsweise einkaufen ging, kam es oft genug vor, dass ich an Bekannten glatt vorbeigelaufen bin, weil ich sie schlichtweg nicht wahrgenommen habe. Ich habe mich auf mich und das was ich gerade tat konzentriert, für mehr war kein Platz. Doch durch die erhöhte Achtsamkeit nahm ich irgendwann mehr von meiner Umwelt wahr und sah immer öfter in die Gesichter der anderen.

Hast du schon einmal bewusst darauf geachtet, was deine Mitmenschen für ein Gesicht machen?

Sehr viele Menschen sehen traurig aus oder gucken sogar richtig böse. Geht man dann mit einem Lächeln im Gesicht an ihnen vorbei und schaut sie an, reagieren sie oft irrtiert. Freundlichkeit Fremden gegenüber ist scheinbar seltsam. Sogar Kinder sind es nicht gewohnt, von Fremden freundlich behandelt zu werden. Letztens hat ein Kind den Einkaufswagen seiner Mutter geschoben und machte mir Platz, wofür ich mich ganz selbstverständlich bedankte. Ihr hättet mal die Überraschung in dem kleinen Gesicht sehen müssen…

Und so kam es, dass ich mit ein paar lieben Leuten aus meiner Ausbildung darüber sprach und witziger Weise haben sie dieselbe Erfahrung gemacht. Eine Kollegin ist immer zur Ausbildung gependelt und erzählte von den Menschen in der Bahn. Auch ihr fiel auf, wie böse die Menschen gucken und wie unfreundlich sie oft behandelt wurde – und das grundlos. Also fragten wir uns, wieso das wohl so ist.

Warum ist das so?

Letztlich kamen wir zu der Vermutung, dass einfach extrem viele Menschen total unzufrieden mit ihrem Leben sind. Vermutlich machen viele einen Job, der ihnen nicht gefällt, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Ein Kollege beklagte sich irgendwann einmal bei mir, dass er ja wenig Perspektiven habe. Schließlich sei er Familienvater und müsse das Geld ranschaffen, um das Haus, das Auto und alles weitere für seine Familie bezahlen zu können. Und so macht er eben seinen Job – glücklich erschien er mir aber nicht. Das passt ganz gut zu meinem letzten Blogbeitrag (Glück kann sich jeder leisten). Ich glaube, er wäre mit einem kleineren Haus und einem kleineren Auto sehr viel glücklicher, wenn er dafür einen Job machen könnte, der ihn mit Freude erfüllt. Oft sind es gerade die Prestigeobjekte, für die wir uns in wahnsinnige Unkosten stürzen ohne sie wirklich zu benötigen. Man kauft Dinge, die man nicht braucht – mit Geld, das man nicht hat – um Leute zu beindrucken, die man nicht mag. Statt sich einfach nur darauf zu besinnen, was einem persönlich wirklich wichtig ist. Und das ist nicht zwingend die Limousine deutscher Markenhersteller. Wahrscheinlich geht es aber vielen Menschen so wie meinem lieben Kollegen. Und so laufen sie in ihrem Hamsterrad und zählen die Jahre bis zur Rente.

Das würde dann auch erklären, warum es so viele Sprüche gibt, die den Montag verteufeln und das Wochenende feiern. „Endlich Freitag!“…“Fre:)tag“…“Fri-Yay“…“Montags könnt ich kotzen!“…“Montag – das F steht für Freude!“…“Ich fühl mich krank – ich glaub, ich hab Montag!“…

Es fängt in der Schulzeit an…

Ich kann mich daran erinnern, dass es mir schon in der Schulzeit so ging. Man quält sich durch die Woche, um das Wochenende zu genießen. Eigentlich ist das richtig schlimm. Warum wird Kindern in der Schule nicht vermittelt, dass Lernen wahnsinnig toll sein kann? Unsere Welt strotzt nur so vor kleinen Wundern. Die Naturwissenschaften sind doch eigentlich total spannend, weil sie diese Wunder zu erklären versuchen. Sprachen ermöglichen uns die Kommunikation mit anderen Menschen und durch das Erlernen von Fremdsprachen können wir mit so viel mehr interessanten Menschen sprechen. Künstlerische Fächer zeigen uns, wie wunderschön Dinge sein können oder über welche interessanten Fragen andere bereits philosophiert haben. Sport ist dazu ein toller Ausgleich und die Kinder lernen, auf wie viele Arten ihr Körper etwas leisten kann.

…und geht mit der Arbeit weiter

Die Arbeitswelt ist ähnlich spannend und mit dem richtigen Job geht man auch gerne arbeiten. Wenn ich zum Beispiel eine Yogastunde geben darf, freue ich mich schon vorher richtig darauf. Danach bin ich glücklich, weil ich meinen Teilnehmern mit der Stunde etwas Gutes tun konnte und ich ihnen ansehe, dass meine Arbeit etwas zum Positiven verändert. Ich sehe einen Sinn darin.

Es gibt nur leider das Problem, dass niemand die Kinder auf das Arbeitsleben vorbereitet. Sie kennen ihre Stärken und Schwächen nicht und haben im seltensten Fall eine gute Persönlichkeitsentwicklung hinter sich. Sie entscheiden mit 16 oder 19, welchen Weg sie einschlagen wollen. Und so lernen sie irgendwas, was ihnen vielleicht gefallen könnte und machen dann im schlimmsten Fall irgendwann einen Job, der sie nicht erfüllt und der überhaupt nicht zu ihnen passt. Aber Sicherheit ist wichtig, ebenso wie ein gerader Lebenslauf – wer stellt dich denn sonst noch ein? Und so sind die Kinder dann erwachsen und müssen ihren Job bis zur Rente machen, um Rechnungen zu bezahlen für Dinge, die man eben so haben muss als erfolgreicher Mensch… Das war schon immer so und schließlich machen es alle so.

Wir sollten alle viel öfter hinterfragen, ob etwas wirklich richtig ist, nur weil es alle tun und unsere ganz eigenen Prioritäten setzen.
Dann gäbe es vermutlich viel mehr lächelnde Gesichter da draußen – und das sogar Montags morgens. 😉